Via Lusitana:
Von Alcoutim nach Evora
Mein Plan ist es, von Alcoutim aus nach Norden zu gehen. Genau wie die fast parallel verlaufende Via Nascente ist die Via Lusitana ein sehr selten begangener Pilgerweg in Portugal.
Aber dieser Teil meiner Wanderungen in Portugal steht leider unter keinem guten Stern. Dabei fängt es ganz gut an: ich laufe entspannt los und habe einen schönen ersten Tag nach den Ruhetagen in Alcoutim. Am zweiten Tag wartet ein erstes Problem auf mich, denn ich muss über eine Brücke, an der gerade Bauarbeiten stattfinden. Die Einheimischen im letzten Dorf meinten aber, ich würde als Fußgänger bestimmt durchkommen.
Kurz vor der Brücke gabelt mich eine Frau auf, die zum Bautrupp gehört. Sie sagt, ich dürfte nicht weitergehen. Als ich ihr meine Lage erkläre und den riesigen Umweg, den ich sonst laufen müsste, meint sie zwar immer noch, das wäre verboten, aber nimmt mich mit auf die Baustelle. Sie erklärt ihren Kollegen, was ich hier mache und die sagen sogar, dass gestern ein anderer Wanderer da gewesen wäre, den sie auch rüber gelassen hätten. Eine bizarre Situation, denn die Leute erklären mir auch, dass in zwei Wochen hier sowieso gar keine Brücke mehr stehen würde. In den nächsten Monaten wollen sie dann eine neue bauen.
Wie auch immer, ich bin froh, dass ich hier weitergehen darf. Gut gelaunt laufe ich dann jedoch voll in eine Sackgasse, wo ich nicht weiterkomme. Der Wanderführer ist schon ein paar Jahre alt und hat zwar ein Update bekommen, aber beide sind an dieser Stelle total missverständlich und falsch.
Ich muss in ein Tal hinunter und über einen Bach. Hier gibt es wohl einen kleinen Staudamm. Ich laufe bis zur im Wanderführer markierten Stelle, aber dort ist auf meiner Seite des Flusses eine Steilwand und die Dammkrone reicht nicht so weit, dass ich hinaufkommen kann. Ich muss also umkehren und treffe einen Einheimischen, der mir erklärt, dass es hier in der Nähe überhaupt keinen Weg über den Bach gäbe.
Ich muss also zurück und über die Hauptstraße laufen. Das sind viele Kilometer Umweg, und ein Gewitter droht, also hetze ich los. Letztlich komme ich völlig frustriert und kaputt nach über 30 Kilometern und viel Asphaltlatscherei in Mertola an. Immerhin gerade noch vor dem Gewitter.
Am nächsten Tag ist das Wetter zwar wieder gut, aber die Strecke verläuft nur über weitere Hauptstraßen nach Amendoeira da Serra. Es macht wirklich keinen Spaß, auf Asphalt und neben rasenden Autos zu wandern. Der Wanderführer beschreibt zwar Wege durch die Felder, aber die sind von den Großgrundbesitzern in den letzten Jahren abgesperrt worden. Riesige Zäune und massive Tore versperren dort den Zugang.
Auf dem Weg zu meinem heutigen Tagesziel halten mehrere Autofahrer neben mir an und erklären mir, dass hinter dem Dorf eine Furt existiert, aber der Fluss nach dem vielen Regen viel zu hoch ist, um ihn zu überqueren. Dies ist also wieder eine Sackgasse. Ich muss nach über 500 km zu Fuß ein Taxi nehmen, um die Flussüberquerung zu umgehen.
Nach zwei weiteren Tagen, die ich fast nur auf Hauptstraßen laufe, fasse ich einen Entschluss: ich werde diesen Pilgerweg nicht weitergehen. Dieser Camino existiert sowieso nur noch als ein paar Schilder, die an stark befahrenen Hauptstraßen entlang führen. So macht wandern wirklich keinen Spaß!
Ich nehme von Evora aus den Bus zurück nach Lagos und werde von dort noch mal auf die Via Algarviana gehen, und dann von Vila do Bispo aus den historischen Weg der Rota Vicentina nach Norden.
Ich freue mich darauf, bald wieder auf Wanderwegen unterwegs zu sein und nicht nur auf asphaltierten Hauptstraßen.